Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Peter Bieri, Das Handwerk der Freiheit, Frankfurt am Main 2005, 3. Auflage

In dem Buch geht es zu einen darum, den Leser zu einem in sich stimmigen Freiheitsverständnis zu führen, zum anderen aber auch darum, ihm Hinweise zu geben, wie er es erreichen kann seine persönliche innere Freiheit zu vergrößern. Darum wird wohl auch im Titel von einem ‚Handwerk der Freiheit gesprochen‘: Wie frei wir sind, hängt nicht bloß von äußern Umständen, sondern auch davon ab, ob und wie es uns gelingt unseren eigentlichen Willen uns auch wirklich anzueignen – eine Lebensaufgabe, die für mein Gespür auch etwas mit Weisheit zu tun hat. Es ist nun einmal so, dass wir uns oft nicht frei fühlen, sondern befangen in widersprüchlichen Wünschen und Zielen sind, da hilft es denn nach Meinung des Autors etwa wenn wir uns über die Herkunft des Widerstrebenden klar werden und im Idealfall zu einer Versöhnung kommen. Dabei bedenkt der Autor auch mit, dass unser Selbstbild nicht statisch ist, sondern sich tatsächlich im Laufe unseres Lebens auch ändern kann. Diesem ‚praktischen‘ Teil des Buches (‚Dritter Teil: Angeeignete Freiheit‘), stehen zwei ausführlichere, mehr theoretische Teile über die Freiheit zuvor, ein erster Teil über die ‚bedingte Freiheit‘, das ist für den Autor die einzig mögliche Freiheit, und ein zweiter Teil über die ‚unbedingte Freiheit‘, deren Gründe und Theorie der Autor ausführlich und überzeugend in therapeutischer Absicht darstellt, um sie dann mit guten Argumenten letztlich zurückzuweisen.

Das Buch besticht durch seine, für dieses schwierige philosophische Thema, außergewöhnlichen Verständlichkeit und seine erzählerischen Passagen, denn der Autor macht Formen der Unfreiheit und Freiheit an kleinen Charakterisierungsgeschichten fest, wie z.B. dem Spielsüchtigen, dem Erpressten etc.. Besonders eindrucksvoll fand ich ein Kapitel im 2. Teil, wo der Autor Raskalinkov, eine Romanfigur von Dostojewski, der heimtückisch eine reiche Pfandleiherin in ‚Schuld und Sühne‘ ermordet, mit seinem Richter darüber streiten lässt, ob es fair ist ihn zu verurteilen oder nicht. Raskalinkov vertritt nämlich bei Bieri den Standpunkt, da alle Handlungen bedingt seien, er gar nicht anders habe handeln können als er gehandelt habe, Freiheit also eine bloße Illusion sei und es etwas so wie Schuld darum eigentlich gar nicht gebe. Der Richter hat allerdings ein paar sehr gute Gegenargumente parat, obwohl er die Position einer unbedingten Freiheit nicht vertritt, die Bieri ja ablehnt.

Ein gelungenes Buch, wenn auch für meinen persönlichen Geschmack Einiges zu häufig wiederholt wurde.

Jürgen Czogalla, 01.03.2012

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