Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Myron Hurna, Was ist, was will, was kann Moral?, Wiesbaden 2017

Moralisches Handeln zeichnet sich für Hurna vorzüglich dadurch aus, dass es ein Handeln zugunsten anderer ist, und zwar auch schon einmal gegen die eigenen Interessen. Dabei sind Instrumente der Moral solche, die das Eigeninteresse zugunsten der Interessen anderer lenken, ohne dass dadurch aber eine Selbstaufgabe gefordert ist. Außerdem muss seiner Meinung nach von den anthropologisch-existenziellen Bedingungen des Menschen ausgegangen werden, wenn man richtig verstehen will, was es mit dem Ideal einer Moral auf sich hat. Die materiellen Grundlagen der Moral sind denn für ihn etwa die Interessen der Menschen, ihre Freiheit, die Fähigkeit etwas wertvoll zu finden, das menschliche Wollen, die Transzendenz der Gegebenheiten, die Glücksfähigkeit, die Kultivierbarkeit des eigenen Selbst und Handelns, die Fähigkeit sich Ideale und Ziele zu setzen, ein Interesse, dass über das Notwendige hinausgeht. Für den Autor ist Moral ein Versuch Ordnung in das Zusammenleben zu bringen. Als Werkzeuge dazu dienen Normen und Sanktionen. Das Buch hat fünf Abschnitte: 1. Was ist, was will,was kann Moral?, 2. Ein zweiter Blick auf die Moral: Normen und die Krise der Sanktionspraxis, 3. Der Begriff der Pflicht, 4. Rationalität, Selbstsorge, Moralität und Glück, 5. Das Gute und das Schlechte. Das Glück des Menschen.

Das Buch hat für mich über weite Strecken schon fast Lehrbuchcharakter. Denn es ist weniger ein Buch, dass aus der Auseinandersetzung mit gegenstrebigen Thesen lebt, als vielmehr eines, dass sich aus eigenem, folgerichtigen Denken ergibt. So jedenfalls die Grundtendenz, die ich wahrnehme. Wer sich Gedanken über die Grundlagen der Moral macht, wird hier zweifellos viele anregende und richtige Ausführungen vorfinden, die auch wirklich weiterbringen. Der schwächste Teil des Buches ist für mich Teil 5, weil er das Glück des Menschen meiner Meinung nach zu abstrakt behandelt. Das Buch selbst ist auf wissenschaftlichem Niveau geschrieben, dabei aber noch gut verständlich. Im späteren Verlauf tauchen aber leider auch gehäuft griechische Begriffe, die in Altgriechisch niedergeschrieben sind, auf. Das ist nicht wirklich lesefreundlich.

Jürgen Czogalla, 02.04.2017

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