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Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Bernulf Kanitscheider, Das hedonistische Manifest, Stuttgart 2011

In seinem Buch versucht der Autor eine rein hedonistische Lebenseinstellung (was ein gutes Leben alleine ausmacht ist, das man möglichst viel Freude- und Lusterlebnisse hat und möglichst wenig Unlust) in ein möglichst gutes Licht zu stellen und dafür zu werben. Um dieses Ziel zu erreichen gibt er auch einen an die 190 Seiten langen philosophiegeschichtlichen Überblick aus hedonistischer Sicht.

Kanitscheider gehört nicht zu den Philosophen, die gegenläufige Argumente besonders ausführlich darstellen und sozusagen stark machen, um dann mit eigenen Argumenten noch besser glänzen zu können: Ob nun eine Tugendethik (Zeichen von Selbsttäuschung und psychologischer Verdrängung), Kant (alles längst widerlegt) oder eines der Hauptargumente gegen den Hedonismus überhaupt, der naturalistische Fehlschluss (muss man dem Leser ja nicht groß erklären, es genügt, wenn man ihm in zwei drei Sätzen versichert, womöglich noch mit Bezug auf andere „Autoritäten“, dass das eine abwegige Kritik ist), viel Worte zu machen lohnt sich erst gar nicht. Hier findet sich zu Hause, wer sich in seiner hedonistischen Einstellung bestärken lassen möchte, ohne dabei allzu sehr von alternativen Lebensentwürfen behelligt zu werden. In die Tiefe geht das nicht. Alle Übrigen werden sich vielleicht doch fragen, ob zu einem guten Leben, dass sie sich wünschen, eventuell nicht doch noch mehr gehört als das Kriterium Lust (wie z.B. das Wertschätzen von Personen an sich, also nicht bloß als Instrumente zur eigenen Freude, Verantwortung für Andere, Beziehungen, die sich nicht wie die sprichwörtliche Fahne im Wind gestalten, etc…). Für mich ist eine rein hedonistische Lebenseinstellung, wie der Autor sie hier vermittelt, letztlich zu eng und zu kalt - bei aller sonstigen Wertschätzung für Lust und Freude.

Negativ ist mir aufgefallen, dass der Autor zwar fast immer altgriechische Begriffe, die er verwendet, übersetzt, die Begriffe selbst aber in altgriechischer Sprache schreibt – wer diese „Hieroglyphen“ nicht entziffern kann, dessen Lesefluss wird doch einigermaßen beeinträchtigt.

Jürgen Czogalla, 01.02.2012

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