Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Frank Ochmann: Die gefühlte Moral, Berlin 2008

Gekauft habe ich mir Ochmanns Buch um mich auf den aktuellen Stand der Moralforschung aus naturwissenschaftlicher Sicht zu bringen (also was haben zu diesem Thema insbesondere Hirnforscher und Biologen beizutragen). Indem Frank Ochmann immer wieder interessante Forschungsergebnisse und die dazu führenden Experimente sehr verständlich referiert wurde meine Erwartung erfüllt. Allerdings ist der Teil am Anfang des Buches, bei dem es um den philosophischen Forschungsstand geht (Kapitel "Zwischen Sein und Sollen") , meiner Meinung nach ausnehmend schwach, wenig differenziert und ausführlich, was auf den paar Seiten wohl aber auch kaum viel besser möglich wäre. Es hat schon fast etwas von einem "Alibi-Kapitel", was eben auch irgendwie abgearbeitet werden muss.

Zum Ende jeden Kapitels seines Buches listet Ochmann nochmals kurz nummeriert die darin aufgestellten zentralen Thesen auf, bringt es aber meiner Meinung nach nicht fertig diese sehr vielen einzelnen referierten Forschungsergebnisse, die sich in seinen Thesen niederschlagen, nun auch zu einer wirklich stimmigen, überzeugenden Gesamtschau zu verbinden. Gerade weil der eigentliche philosophische Teil meiner Meinung nach etwas schwach besetzt ist, gerät der Autor in Gefahr, das was die empirischen Wissenschaften als seiend festgestellt haben zu wenig reflektiert auch als das Gesollte zu fordern (z.B. kann man noch so sehr Belohnungen als freudenbringend erleben, trotzdem sollte man doch wohl nicht jede Belohnung, sondern allenfalls eben nur die moralisch korrekte, erstreben; und es kann sogar bisweilen moralisch sehr hoch zu bewerten sein, auf eine Belohnung ganz zu verzichten etc.).

In dem abschließenden Kapitel seines Buches ("Von Werten, Vorbildern und Tugenden") stellt Ochmann dar, die empirischen Forschungen hätten ergeben, unser Anreiz zum Guten wäre, dass es uns gute Gefühle bereiten würde, wenn wir uns als Teil einer Gemeinschaft oder Gruppe erleben könnten. Wir würden vertrauensvoll erwarten, dass sich prosoziales Verhalten für uns auch auszahlt: In Form von menschlicher Wärme, Reputation, Schutz und Versorgung, überhaupt einem angenehmen Umfeld. Es handelt sich dabei um ein emotionales Belohnungssystem, das mächtig genug ist um ganze Gesellschaften aus Individuen zu schmieden die auf der Suche nach einem glücklichen, erfüllten Leben sind. Den gesellschaftlichen und evolutionären Mehrwehrt der durch die Achtung moralischer Normen entsteht bezeichnet Ochmann als soziales Kapital.

Ich habe das Buch gerne gelesen.

Jürgen Czogalla, 13.02.2011

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