Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

R.B.Pascal, Die sieben Stufen der Himmelsleiter. Prozessontologie für Praktiker, Crammy GmbH 2017 (keine Ortsangabe vorhanden)

Der Autor stellt ein Modell vor, das er in seinem „Denksinn“ simuliert hat, als eine Möglichkeit die Welt zu verstehen und empfiehlt es als Anleitung zum handeln, wobei es aber nicht mit der Wirklichkeit zu verwechseln sei. Der Autor steht zu, dass hierzu auch andere Modelle denkbar sind, die ihre Berechtigung haben, solange sie anwendbar sind und nicht missbraucht werden. Als Garant dafür, dass solche Modelle nicht in die Irre führen nennt er die Verbundenheit mit dem SEIN als Wert. Seine Prozessontologie sieht das Primat bei Regeln des Werdens und Wandelns. Es wird ein Modell dargelegt bei der die Prozessdynamik in Abgrenzung zu über- und untergeordneten Prozessen im Mittelpunkt steht. Die hier sichtbar werdende Kausalitäten schaffen dann gestaffelte Sphären für die jeweils gleichartige Regeln gelten. Diese Sphären nennt der Autor „Reiche“ und es gibt deren sieben: Existenz, Personalität, Regeln, Ressourcen, Gemeinschaft, Gesellschaft, Feld, denen jeweils eine Triade entspricht (bei Existenz etwa Werden-Vergehen-Bleiben) und eine aktive und passive Dynamik (bei Existenz etwa Wollen und Empfangen). Jedes Reich hat außerdem eine Tugend (bei Existenz etwa die Demut). Die Reiche gehen aus dem SEIN hervor, dort schließen sich nämlich Formen zu Schleifen oder Blasen zusammen und es entstehen stabile geschlossene Selbstbezüge. Dazu wird auch noch unter anderem ein komplexer Handlungszyklus vorgestellt. Diese Ontologie ist dann nach Meinung des Autors praktisch anwendbar, er gibt dazu etwa ein detailliertes Beispiel aus IT Prozessen und der Erziehung. Die Tugenden der Reiche sollen laut Autor dabei helfen das rechte Glück innerhalb der Reiche zu finden und zwar indem sie Raum schaffen, Loslassen befördern und Umkehr ermöglichen. Der Weg zum Glück ist für ihn letztlich die Auflösung der Identifikation mit den Reichen. Glücklich sind wir, wenn wir gleichzeitig unseren Körper als lebend erfahren und unsere Verbundenheit mit dem SEIN empfinden. Er rät den Frieden in dem ungeteilten SEIN zu finden. Ziel von allem was ist ist letztlich die Heimkehr zu Gott. Den Frieden finden wir vollendet nach Aufgabe der Existenz im transzendenten SEIN.

Das Buch überrascht mit einer praktisch auf vernünftige, nachvollziehbare Begründungen verzichtenden gedanklichen Konstruktion, die nichtsdestotrotz handlungsanleitend sein soll. Damit kann ich nun gar nichts anfangen. Nicht nur, dass mir das Modell an sich dadurch schon obskur und esoterisch wird, sondern natürlich auch, weil ich der Meinung bin, dass sich etwa Erzieherinnen ihre Methoden nicht aus gedanklichen, schlecht bis gar nicht begründeten Modellen, sondern aus der Praxis mit ihren Erfahrungen mit ihren Zöglingen gewinnen sollten. Wozu also überhaupt eine so verstiegene Ontologie, die mehr um gedankliche Konstruktion kreist als sich auf die Wirklichkeit tatsächlich unvoreingenommen einzulassen? Eröffnet sie womöglich irgendwie doch Wege zu einem geglückten Leben? Der richtige Weg ist hier meiner Meinung nach nicht der der gedanklichen Konstruktion, sondern der über die persönliche Erfahrung die ich selber mache bzw. der, die mir von anderen mitgeteilt wird. Hier sind es nicht Reiche die wirklich weiter bringen, sondern Geschichten. Einen philosophisch für mich sehr sympathischen Weg geht hier etwa Daniel M. Haybron mit seinem Buch „Was ist Glück?“, Stuttgart 2016.

Jürgen Czogalla, 22.10.2017