Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Rebekka Reinhard, Schön!, München 2013

Im Grunde wollen wir es uns ja alle schön machen, d. h. gut aussehen, einen interessanten, faszinierenden und schönen Charakter entwickeln und ein gelungenes, geglücktes und glückliches Leben führen. Von allen diesen Dingen handelt das Buch von Frau Reinhard, abgehandelt in den drei großen Abschnitten „Körper“, „Seele“ und „Geist“, die jeweils mehrere Unterkapitel umfassen und je eine „Gebrauchsanweisung“, in der die Autorin Tipps gibt, wie wir es ihrer Meinung nach fertigbringen können, im jeweiligen Bereich schön zu werden. Denn für Reinhard gehört unser Wunsch gut auszusehen und unsere Sehnsucht, ein gutes Leben zu führen, untrennbar zusammen. Über das, was Schönheit eigentlich ist, denken wir aber nach Meinung der Autorin fiel zu wenig nach und darum gehen wir auch mit unseren Schönheitsbemühungen oft fehl. Dem versucht sie mit ihrem Buch Abhilfe zu schaffen und kritisiert werden dabei die oft nur oberflächlichen Schönheitsvorstellungen unserer heutigen Zeit mit ihren Schönheitsoperationen oder mit Bildbearbeitung geschönten Werbeplakaten, die uns umlagern. Die Autorin weiß dabei um die Rätselhaftigkeit der Schönheit, aber auch darum, dass es zugleich doch, neben dem subjektiven Empfinden, auch objektive Kennzeichen für sie gibt. So unterscheidet sie zwischen der „klassischen Schönheit“, der „barocken Schönheit“, der „magischen Schönheit“ und der „modischen Schönheit“ und empfiehlt uns, um schön zu sein „Anmut“, „Stil“ und „Haltung“ zu entwickeln. Sie geht aber auch etwa den Phänomenen faszinierender, monströser Scheinschönheit, wie etwa bei Hitler, oder der ambivalenten, erhabenen Schönheit von Diven nach. Für ein geglücktes Leben als solches empfiehlt sie dann zuletzt Selbstgenügsamkeit, Freiheit von nervenaufreibenden Gefühlen (z. B. Furcht und Gier), den felsenfesten Entschluss, sich weder auf endgültiges Ja noch Nein festzulegen, die Freiheit von körperlichen und seelischen Schmerzen und Seelenruhe, wobei für sie diese fünf Punkte nicht bloß das A und O für unsere freundschaftliche Beziehung mit uns selbst, sondern für gelingende Beziehungen überhaupt bilden. Nebenbei erfährt man immer wieder von der Autorin verschiedene Modelle von Schönheit von unterschiedlichen Philosophen aus der Geschichte, vermittelt als leichte, aber wie ich finde nicht seichte Kost.

Der Autorin gelingt es meiner Meinung nach mit ihrem Buch vorbildlich philosophische Gedanken auf unser Heute hin zu übersetzen und praktisch wirksam werden zu lassen, und dass zu einem Thema, das jeden bewegt; denn im Grunde nur ein sinnloses, elendes Leben zu führen ist wohl jedermanns Albtraum. Dabei finde ich die ersten beiden Abschnitte des Buches besonders und außerordentlich gut gelungen, vor allem weil der Autorin hier ganz hervorragend der Brückenschlag zu unserer Jetztzeit gelingt, immer wieder mit aktuellen Beispielen unterfüttert. Das schafft sie im letzten Abschnitt meiner Meinung aber nicht mehr, denn merkwürdigerweise nimmt sie hier auf heutige Denker und Gegebenheiten wenig Bezug und geht hier weit in die Geschichte zurück in die Antike, um dann bei Montaigne zu enden. So vermittelt sie mir den Eindruck als sei alles Wichtige für ein geglücktes Leben schon seit langer Zeit gesagt worden. Ich zu wenigsten glaube das aber nicht.

Jürgen Czogalla, 15.10.2013

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