Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Peter Schallenberg, Ethik und Ewigkeit. Wegmarken einer spirituellen Moraltheologie, Paderborn 2016

Zu Anfang erklärt der Autor seine Absicht mit dem Buch: Es soll von Gott und seiner Ewigkeit die Rede sein mit Hilfe einiger Wegmarken aus der Geschichte der Spiritualität der katholischen Kirche, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Es geht ihm um die Eigenart einer Theologie die nach der Bedeutung Gottes für das Handeln des Menschen fragt. Dabei hat die Wirklichkeit Gottes als Ewigkeit Auswirkungen für die theologische Ethik. In der säkularen Zeit sei der Zweifel über Gottes Gegenwart im eigenen Leben präsent und der Autor will mit seinem Buch versuchen Gott und seine Ewigkeit angesichts des Bösen zu denken, indem er einige Versuche dazu aus der spirituellen Tradition der christlichen Theologie referiert, die nach Meinung des Autors eine Anleitung zu einem vor Gott gelungenen Lebens abgeben. Nachgedacht wird über die Sündenfallgeschichte und die Geschichte über den verlorenen Sohn in der Bibel, die zwei Reiche Lehre von Augustinus, Gedanken zu Liebe und Sexualität wieder im Anschluss an Augustinus, Armut und Barmherzigkeit in der päpstlichen und franziskanischen Reform im Mittelalter, das Menschenbild in der Renaissance, Indifferenz und Entscheidung bei Ignatius von Loyola, Narziss und Gottesfreund bei Franz von Sales. Das Buch endet mit einem Ausblick zur Mystik der Moral.

Das Buch bepreist eine innerkirchliche, katholische Spiritualität, der ich persönlich nicht wirklich allzu viel abgewinnen kann. Bei den vorgestellten Anleitungen für ein vor Gott gelungenes, geglücktes Leben geht es darum sich ganz auf Gott zu konzentrieren, wobei durchaus ganz ernsthaft auch schon mal die eigene Selbstaufgabe gefordert werden kann. Dazu kommen noch so schöne Anforderungen wie eigenwillige Bestrebungen abzutöten und im entschlossenen Aufgriff auf Gott das bedingungslose (genau wie „absolut“ offenbar ein spirituell-theologisches Lieblingswort) überzeitliche Glück zu finden. Für den Autor kann der Mensch nur in einer engen Beziehung zu Gott ein wahrhaft geglücktes Leben finden. Insgesamt gesehen habe ich zwar als bekennender Katholik einige Anregungen für mein eigenes Leben finden können, aber im Großen und Ganzen finde ich die vorgestellten spirituellen Richtungen als Ganzes nicht wirklich sehr ansprechend und sympathisch. Ich finde sie zum Teil ziemlich überspannt. Auch geht es mehr um das Ausmerzen, Abtöten und Unterwerfen des Unschönen und nicht so recht Passenden, anstelle von sein lassen, integrieren und versöhnen – das wäre ein anderer möglicher spiritueller Entwurf der sich mehr einpasst in den Raum, indem wir als heutige Europäer leben. Diesen Weg finde ich sympathisch und attraktiv. Dabei sind die vorgestellten Strömungen aber durchaus in der katholischen Kirche noch spürbar und haben über Jahrhunderte Menschen angezogen und begeistert. Warum das in unseren Breitengraden heute durchaus nicht mehr so recht der Fall ist, dieser gewichtigen Frage geht der Autor überhaupt nicht nach. Dazu müsste er sich in seinem Buch auch der gesellschaftlichen Situation von heute mutig stellen und nicht nur den Zustand fortschreitender Säkularisierung beklagen. Und wozu sollte er dies im Grunde auch angehen, wenn er die vorgestellte Spiritualität selbst ganz toll findet?

Als eine Art von kleiner Spiritualitätsgeschichte ist das Buch nicht ganz uninteressant, allerdings fehlt hier immer wieder ein dichter dargestellter historischer Kontext und vor allem auch ein paar mehr kritische Bemerkungen.

Ein Buch mit sieben Siegeln wird das Buch auf jeden Fall für jemandem sein, der dem Christlichem fremd gegenübersteht. Mit dieser Art von Ethik kommt man mit solchen Menschen natürlich nur schwer bis null ins Gespräch. Als innerkirchliches Glaubensbuch mag es aber interessierte Leser finden.

Jürgen Czogalla, 02.01.2017

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