Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Ina Schmidt, Kleine und große Fragen an die Welt. Philosophie für Kinder, Hamburg 2017

Das schmale Büchlein (95 Seiten) ist robust gestaltet, mit super dickpappigem Hardcover und auch schön dicken Seitenblättern. Da geht also nichts so schnell kaputt. Schriftgröße und grafische Gestaltung gefallen mir sehr gut und sind kindgerecht. Aufgebaut ist das Buch so, dass die Autorin einfach zwei (fiktive) Kinder, Phil und Sophie, miteinander philosophische Gespräche in ihrem kindlichen Alltag führen lässt. Die Themen sind: Warum gibt es überhaupt etwas? Woran erkennen wir das Schöne? Kann man das Glück suchen? Was machen Gefühle mit uns? Woher weiß ich, dass du mein Freund bist? Woher kommen die Gedanken? Wer will ich sein, wenn ich groß bin? Was ist gerecht? Wie es wohl ist, tot zu sein? Wie vergeht die Zeit? Wo bin ich zu Hause? Auf der Suche nach dem Anfang.

In einem zweiten Buchteil (17 Seiten) werden dann Anregungen gegeben noch einmal vertieft über die einzelnen Themen nachzudenken, indem etwa ganz kurz gesagt wird welcher Philosoph in der Philosophiegeschichte darüber auch schon mal nachgedacht hat und was er dazu meint (zu jedem Thema fast immer nur eine kurze Seite).

Die vorgeführten Dialoge der Kinder bleiben meinem Eindruck nach wirklich zumeist plausibel in einem kindlichen Horizont, ich kann mir also durchaus vorstellen, dass sich Kinder so unterhalten können. Also zeigt sich hier ein feines Einfühlungsvermögen der Autorin. Das macht es zum einen sicher leichter für die Kinder den Geschichten zu folgen, zum anderen kann es ihnen zeigen, wie einfach es im Grunde ist, sich über philosophische Themen zu unterhalten. Und womöglich finden sie sich hie und da sogar wieder, weil sie sich schon einmal mit einem Freund selbst so ähnlich unterhalten haben. Das ist denn dann auch das Ungewöhnliche an diesem Konzept, dass die Erwachsenen oder ein belehrender Sprecher erst einmal außen vor bleibt und nur ganz dezent und kurz im zweiten Teil noch einmal weiterführende Hinweise gegeben werden, denen die Kinder nachgehen können, wenn sie denn wollen. Ein bisschen der Nachteil dieses Konzeptes ist es meines Erachtens dann aber, dass den Kindern zu wenig Ausblicke aus ihrem Horizont gegeben werden, da der Hauptteil ja ganz in ihrem Horizont spielt. Darum ist der Hauptteil für Kinder, so mein Eindruck, auch nicht wirklich schwer für sie zu verstehen oder zu lesen. Interessante Fragen werden gestellt und durchaus Antworten gegeben, die auch nicht gerade platt sind. Trotzdem bleibt bei mir das Gefühl: Eigentlich ginge da noch etwas mehr.

Es ist aber in jedem Fall ein liebenswertes Buch geworden, das einen wirklich leichten Einstieg in philosophische Fragen ermöglicht. Und auch ein Sich-Erinnern, dass man sich so was Ähnliches vielleicht auch schon mal gedacht hat. Und ein Mut-Machen und Neugierig-Machen: Philosophieren, das kann ich auch. Und es macht Freude.

Ich wünsche diesem Buch viele kleine Leser (ab etwa 9 Jahren).

Jürgen Czogalla, 12.08.2017