Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Atkins Versuch einer naturwissenschaftlichen Erklärung des Anfangs aller Dinge

Atkins gibt zu verstehen, dass er die Absicht hat zu zeigen, dass alles, das Nichts inbegriffen, innerhalb der Reichweite der Naturwissenschaft liegt. Er glaubt aber nicht, dass das, was er im Moment vorlegen kann, schon die tatsächlich richtige, letztgültige naturwissenschaftliche Beschreibung der Schöpfung ist – dazu ist unser Wissen noch nicht groß genug – er möchte aber zu mindestens zeigen, dass die Naturwissenschaft vor diesen Fragen nicht die Waffen strecken muss und auch zum jetzigen Zeitpunkt schon auf jeden Fall befriedigendere Antworten liefern kann als die Mythen.

Zunächst stellt er einmal fest, dass alles darauf hindeutet, dass die Gesamtladung des Universums gleich null ist (andernfalls hätten nämlich die unausgeglichenen Ladungen zu anfangs das Universum auseinandergerissen haben müssen). Damit nun Ladungen existieren und die Gesamtladung gleich null ist, muss es eine gleiche Anzahl positiver und negativer Ladungen geben. Daraus folgert er, dass es vor der Schöpfung, als es noch gar nichts gab, auch keine Ladung gab, vielmehr wurde die Schöpfung von einer Trennung von „keiner Ladung“ in gegensätzliche Ladungen begleitet. Des weiteren: Auch das Universum dreht sich nicht, sein Gesamtdrehimpuls liegt bei null. Bei der Schöpfung wurde das Nichts sozusagen in entgegengesetzte Drehimpulse getrennt. Und schließlich scheinen Experimente darauf hinzudeuten, dass die Gesamtenergie des Universums eine feste Größe ist, die sich nicht ändert, und diese feste Größe liegt, so scheint es, bei null: Das könnte man nachrechnen, indem man all die Wirbel, Drehbewegungen aller Galaxien und Sterne und Planeten und aller weiteren winzigen Ereignisse summiert – eine gigantische Summe – und davon dann die wirkenden Gravitationskräfte abzieht, die der Energie abträglich sind. Plausible Gründe sprechen dafür, dass die Gesamtsumme einer solchen hypothetischen Rechenoperation sich auf null belaufen würde. Auch hier wurde ursprünglich ein Nichts in Gegensätze getrennt: Wir sind von Nichts umgeben, das in Gegensätze aufgesplittet worden ist und so den Anschein erweckt, es wäre etwas. Atkins ist als Atheist nun natürlich der Ansicht, dass wir letztlich Gott zur Erklärung dieser Vorgänge nicht brauchen.

Jürgen Czogalla

15.11.2013