Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Zygmunt Bauman: Universalität und Moral

Für Bauman gibt es keine universellen Maßstäbe in Sachen der Moral. Unser „aller Pflicht“ sei eben nicht das gleiche, wie die Verantwortung, die ich fühle. Wirkliche Moral ist etwas, so meint Bauman, was sich gerade einer Formalisierung, Sozialisierung oder Codifikation widersetzt, sie bleibt übrig, wenn die Gleichschaltung der Arbeit der Ethik (so versteht Baumann das) getan ist. Echte Moral zeichnet sich nicht durch Zweckgerichtetheit, Reziprozität und Vertraglichkeit aus, die alle drei die Kalkulierbarkeit von Handlungen implizieren. Wirkliche moralische Handlungen seien eben nicht das Werk einer unpersönlichen Vernunft. Moral ist vielmehr für Bauman nicht-rational im Sinne von nicht kalkulierbar und nicht unpersönlichen Regeln folgend, welche ja ansonstens gerade eine Universalisierbarkeit quasi erst ermöglichen. Der moralische Aufruf sei nämlich von Grund aus persönlich und wendete sich direkt an die je eigene Verantwortung. Als moralische Personen sind wir alle ganz alleine, so Bauman.

Jürgen Czogalla

18.09.2011