Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Fritz Breithaupt, das empathische Geschick von Donald Trump

Für Breithaupt ist Donald Trump ein Meister der Empathie. Er versteht es immer wieder geschickt diese auf sich zu ziehen und tut dies sozusagen fast zwanghaft aufgrund eines narzisstischen Charakters, wie Breithaupt meint, der zugibt, dass er ebenfalls in diese Empathiefalle getappt ist – bei aller persönlicher Ablehnung der Trump‘schen Politik. Er hat nämlich auch den Wahlkampf in den USA mehr und mehr aus der Perspektive Trumps wahrgenommen. Dabei setzt sich diese empathische Schwingung für Breithaupt aus zwei Elementen zusammen. Zum einen darin, dass Trump schlagfertig reagieren kann, Angriffe gut pariert und zu überraschenden, brutalen Gegenangriffen übergehen kann. Auf der anderen Seite steht das Publikum, dass den Schlagabtausch verfolgt und dem Angriffe wichtiger sind als Fakten oder wichtige Argumente. Die meisten Zuschauer würden anstelle von Trump unter der Belastung zusammenbrechen. Er aber hält stand und wird zur Figur von Empathie nicht als Mensch, sondern als Abwender von Angriffen. Dabei schadet es ihm paradoxerweise nicht wirklich, wenn die Angriffe berechtigt sind. Vielmehr gelingt es ihm auf diese Weise, dass die Menschen seine Perspektive einnehmen und steigert so seine Chance gewählt zu werden, selbst wenn er nicht auch gleich gemocht wird. Er steht für ein „He is like us“, der gerade durch seine Fehlerhaftigkeit zum Modell von einer großen Bevölkerungsschicht werden konnte. Eine Fehlerhaftigkeit, für die er sich nicht entschuldigt, sondern sie stellvertretend für alle zu seiner Stärke macht. Breithaupt spricht von einer Kultur des Auftrumpfens in Verbund mit einer infantilen Empathie des in ein Publikum verwandelten Wahlvolkes.

Jürgen Czogalla, 04.03.2017