Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Cora Diamond: Die Öffnung des Herzens für den Anderen bei Charles Dickens

Die Öffnung des Herzens für den Anderen, wie es sich im Werk von Charles Dickens zeigt, lässt sich nach Meinung von Cora Diamond nicht davon trennen, dass wir ein lebendiges Gefühl dafür haben, dass wir zusammen mit den Anderen Geschöpfe auf derselben Reise und mit demselben Reiseziel sind. Menschlich verhalten wir uns dann, wenn wir diese Tatsache gegenwärtig halten und nicht verdrängen. Frau Diamond erläutert das unter anderem an dem allbekannten „Weihnachtslied“ von Charles Dickens. Hier erwacht zuletzt Scrooge's Menschlichkeit nicht, weil er sich etwa über die Auswirkungen der sozialen Praktiken seiner Zeit gegenüber den Armen informiert, sondern er reagiert erst, als seine Wahrnehmung für das Schicksal und das Leben z. B. der armen Familie Cratchit für ihn imaginativ mit der eigenen Sterblichkeit durchdrungen wird und er zu seiner eigenen Vergangenheit stehen kann. Wenn man vor dem eigenen Menschsein Angst hat und es zurückweist, lebt man dieser Diagnose nach schlecht. Durch seine Prosa versucht Dickens uns immer wieder, so die Autorin, aus unserer Abgestumpftheit für die Bedürfnisse Anderer herauszureißen, indem er uns an die Gemeinsamkeit unser aller Reise erinnert.

Jürgen Czogalla

02.02.13