Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Marcus Willaschek und die pragmatische Transformation der Metaphysik

In seinem Beitrag „Bedingtes Vertrauen. Auf dem Weg zu einer pragmatischen Transformation der Metaphysik“, verweist der Autor zunächst auf die seiner Meinung nach aufgrund der Verletzlichkeit des Menschen und seiner Umwelt bestehenden Sehnsucht nach absoluten Gewissheiten hin, die bleibende Orientierung ermöglichen. Er stellt sich dann die Frage, wo der Platz eines Bedürfnisses für Gewissheit in einer Welt sein soll, in der es keine tiefere Ordnung gibt. Er geht dann der Möglichkeit von Metaphysik in einer kontingenten Welt nach (er geht dabei von der Annahme aus, dass die gesamte Wirklichkeit bis in die Tiefe hinein radikal kontingent ist, es gibt hier keine unveränderliche Ordnung, ein „Wesen“ der Dinge). Zentral wichtig ist bei Willaschek's Transformationsversuch die pragmatische These, dass Begründungen und Erklärungen nur dort erforderlich sind, wo sich relevante Fragen stellen. Daraus folgt dann, dass man keine absolute, letzte Gewissheit braucht, sondern es ist rational eine Überzeugung auch dann aufrecht zu erhalten, wenn man für sie keine informative Begründung hat, wenn nur keine ernsthaften Einwände gegen sie auftreten (das beendet begründend den unendlichen Regress des Warum-Fragens ohne benötigenden archimedischen Punkt letzter Gewissheit). Sind alle kontextuell-relevanten Einwände gegen eine Überzeugung ausgeräumt, ist diese auch gerechtfertigt. Darüber hinausgehende Fragen erweisen sich dann als unberechtigt, sie beruhen auf Missverständnissen oder falschen Hintergrundinformationen. Auf der anderen Seite lassen sich dann aber auch wiederum bestimmte metaphysische Aussagen damit rechtfertigen, dass sich ihre Wahrheit in bewährter Praxis erweist und darum keine relevanten Einwände gegen sie erhoben werden können. So lassen sich auch Überzeugungen, die für den Menschen als Handlungs- und Wissenssubjekt zentral sind, als begründet erweisen, auch wenn sie nicht direkt auf empirische Weise verifizierbar sind. Das metaphysische Bedürfnis der Vernunft lässt sich also nach Meinung des Autors auch auf diese Art und Weise befriedigen.

Jürgen Czogalla

01.05.2013