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Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Hösles Ergänzung des objektiven Idealismus durch die Kategorie Intersubjektivität

Laut Hösle kann man nicht das perfekte System des objektiven Idealismus finden. Auch wenn die Welt als Ganze vernünftig ist, ist sie für ein vollständiges Verstehen für endliche Wesen zu komplex. Trotzdem kann man natürlich im Wissen voranschreiten. Der Hauptmangel des Systems in der Vergangenheit sei gewesen, dass die Philosophie die Intersubjektivität nicht hinreichend in den Blick genommen habe. Die Metakategorien eines erneuerten Systems des objektiven Idealismus müssten daher Objektivität, Subjektivität und Intersubjektivität sein, wobei der subjektive Geist auf der Natur und der intersubjektive Geist auf Natur und subjektivem Geist aufbaut. Gebilde des intersubjektiven Geistes sind etwa Institutionen, Kunstwerke, Theorien (sie gehörten bei Hegel noch zu objektiven und zum absoluten Geist). Die Philosophie gehört dann dabei zur idealen Sphäre, z.B. die Handelskammer eben nicht (bei Hegel absoluter und objektiver Geist). Das höchste Gut ist für Hösle die intersubjektive Anerkennung des Absoluten und die reale Umsetzung seiner relevanten Bestimmungen in realer Intersubjektivität. Der höchste Punkt ist nicht mehr die Subjekt-Objekt-Relation, sondern eine Subjekt-Subjekt-Relation. Diese Relation muss, wenn sie wirklich der höchste Punkt sein soll, Selbstzweck sein, so Hösle. "...Eine symetrische und transitive Relation, die sich als Selbstzweck weiß, ist aber die Liebe...". Höchste Aufgabe des Menschen nach Hösle ist die intersubjektiv vermittelte Einheit mit sich selbst, die sich zugleich als Resultat des Absoluten weiß.

Jürgen Czogalla

28.09.2009