Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Ulrich H. J. Körtner: Problemfelder heutiger Pflanzenethik

Der Autor stellt klar, dass im Unterschied zur Tierethik eine eigenständige Pflanzenethik noch kaum entwickelt ist. Lange Zeit sei ein rein instrumentelles Verständnis der Pflanzen vorherrschend gewesen – bis in unsere Zeit hinein. Körtner schlägt vor, in Bezug auf eine Pflanzenethik vom Grundbegriff des Gedeihens auszugehen: Anthropogene Veränderungen der vegetativen Natur seien so zu gestalten, dass sie das Gedeihen von Pflanzen nicht stören oder beeinträchtigen. Die Lebensräume von Pflanzen sind darum nicht bedenkenlos zu minimieren oder zu zerschneiden. Allerdings, so meint der Autor, müssen sich menschliche Einwirkungen in die Natur auch nicht immer als zerstörerisch erweisen. Die Kultivierung und Verwendung von Pflanzen für menschliche Zwecke ist also nicht zwingend schädlich, solange sich die Pflanzen immer wieder regenerieren können. Die Verwertung von Pflanzen als Nahrungs- und Rohstoffquellen kann also durchaus gemäß dem pflanzlichen Lebensrhythmus erfolgen. Anders sieht es dann aber schon aus, wenn etwa durch Düngung Mangel- und Vergiftungszustände hervorgerufen werden. Außerdem haben pflanzenethische Positionen nach Ansicht des Autoren die globale Entwicklung der menschlichen Gattung mitzuberücksichtigen. Hier gehören zu den Problemen, dass immer mehr Boden in Kulturland verwandelt wird, der Wasserverbrauch, nicht selten für Luxuszwecke, steigt und schließlich noch besonders die anthropogenen Faktoren des Klimawandels. Insgesamt befürwortet der Autor, nichtmenschlichen Lebewesen eine eigene Würde zuzusprechen, die aber von der Menschenwürde zu unterscheiden ist. So ist zwar außermenschliches Leben nicht schlichtweg unantastbar wie menschliches Leben, aber Eingriffe in ihr Leben sind legitimationsbedürftig und man muss oft eine ethische Güterabwägung zwischen Interessen des Menschen und dem Eigenwert nichtmenschlichen Lebens vornehmen. Die Zuerkennung einer eigenständigen Würde impliziert nach Meinung des Autoren auch spezielle Pflanzen- und Tierrechte, die aber selbstredend immer nur von einer menschlichen Rechtsgemeinschaft formuliert werden können. Tiere unnötig zu quälen oder Pflanzen mutwillig zu zerstören oder an ihrem Gedeihen zu hindern bezeichnet Körtner als unethisch.

Jürgen Czogalla

25.05.2015