Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

William MacAskill, Wie man als Konsument am meisten bewegen kann

Der Autor nennt die Sweatshops, also Betriebe in armen Ländern, in denen die Menschen für sehr niedrige Löhne zu sehr schlechten Bedingungen arbeiten müssen. Sollen wir Waren aus solchen Ländern, bzw. Betrieben boykottieren? Die Antwort des Autors ist: Nein; denn in den Entwicklungsländern sind die Sweatshops tatsächlich im Vergleich zu anderen dortigen Beschäftigungen die guten Jobs, sie sind also für arme Länder gut und indem wir sie boykottieren verschlechtern wir die Lage der Menschen in solchen Ländern. Was ist nun aber mit Unternehmen die in armen Ländern produzieren, die aber angeben dort bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen (z.B. Fairtrade-Zertifizierungen)? Die Wirkung, so der Autor, ist eher bescheiden: Zum einen können sich die ärmsten Länder normalerweise keine Zertifizierung leisten, gerade ihnen wird also nicht geholfen, so kommt etwa Fairtrade-Kaffee aus vergleichsweise wohlhabenden Ländern wie Mexiko oder Costa Rica, die zehnmal reicher sind als die ärmsten Länder, wie etwa Äthiopien. Zum anderen landet nur ein sehr kleiner Teil des zusätzlichen Geldes in den Händen der Bauern (zwischen1 - 11 Prozent). Daraus folgt für den Autor, dass man sehr viel mehr gutes tun kann, wenn man billigere Produkte kauft und das so gesparte Geld einer kostenwirksamen Hilfsorganisation zu gute kommen lässt. Hinsichtlich eines grünen Lebens hält der Autor fest, dass der Verzicht auf ein heißes Bad den Kohlenstoff-Fußabdruck deutlich mehr verringert als wenn man ein Jahr sein Telefonladegerät vom Netz nimmt; und zwei Stunden Autofahrt ist schädlicher als ein Fernsehgerät, dass ein Jahr im Stand-by Modus steht. Die wirksamste Methode zur Verringerung der Emissionen ist der Verzicht oder die Einschränkung des Fleischkonsums, weniger zu reisen und den privaten Strom- und Gasverbrauch zu senken, und natürlich das Spenden an effektive Organisationen wie etwa Cool Earth, der Autor meint sogar durch solche Spenden können wir unsere eigenen Emissionen wirklich kompensieren. Außerdem weist der Autor noch auf das Problem der moralischen Lizenzierung hin: Einige Studien weisen in die Richtung, dass gerade Personen, die ein grünes Leben führen, dazu neigen, sich ansonsten andere Rechte herauszunehmen, die ihnen eigentlich nicht zustehen, eben weil sie ja vorgeblich schon so viel gutes tun: Hier besteht denn die Gefahr, dass gerade diese Personen mehr lügen oder sogar stehlen, als Menschen, die z. B. bloß herkömmliche Produkte kaufen. In Studien glaubten sie unterbewusst, eine Lizenz zu unethischem Verhalten zu haben, als sich die Chance dazu bot.

Jürgen Czogalla

26.05.2016