Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

G.E. More: Der naturalistische Fehlschluss

Die These vom naturalistischen Fehlschluss hängt bei Moore eng mit der These zusammen, dass ´gut´ nicht definierbar ist. Das versucht er unter anderem mit seinem berühmten Argument der offenen Frage zu erweisen. Dass die Hypothese, eine Meinungsverschiedenheit über die Bedeutung von gut sei eine Meinungsverschiedenheit über die richtige Analyse eines gegebenen Ganzen, falsch ist, zeigt sich für Moore daran, dass sich bei jeder angebotenen Definition des Ganzen in Bezug auf ´gut´ fragen lässt, ob es selbst gut ist. Wenn etwa definiert wird, dass gut sei, was wir begehren zu begehren, können wir immer noch fragen, ob es gut ist zu begehren und so weiter ad infinitum. Gut ist von ganz einfacher Qualität und lässt sich also nicht definieren. Gut nun definieren zu wollen, bezeichnet Moore als naturalistischen Fehlschluss. Eine solche fehlerhafte und einseitige Definition kann nicht als korrekte Grundlage dafür dienen, was getan werden soll, weil sie das Gute schon im Ansatz verfehlt. Welche Dinge gut sind, kann man aber intuitiv entscheiden und so eine Ethik aufbauen.

Jürgen Czogalla

08.08.2010