Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Alexander Nehamas, Das hohe Gut der Freundschaft

Freundschaft verleiht dem Leben Farbe und Tiefe, befreit aus der Isolation der Selbstbezogenheit, gibt uns Unterstützung, Anregungen und Hilfe für unseren Lebensalltag, stellt uns in ein liebevolles Umfeld. Allerdings kann auch fragwürdiges Handeln zum Kernstück einer Freundschaft werden, wie der Autor am Beispiel des Films „Thelma und Louise“ erläutert. Es ist auch möglich, dass sich Freundschaft darin begründet, dass man zusammen schlimme Sachen anstellt die in Unmoral wurzeln. Freundschaft kann also unter Umständen zu unmoralischem Tun verleiten, sei es nun bewusst oder unbewusst. Dabei hängt echte Freundschaft weniger von den Resultaten unseres Verhaltens, als von unseren Absichten, Gefühlen und Einstellungen ab.

Zur Janusköpfigkeit der Freundschaft gehört für den Autoren auch die Möglichkeit ihres Verlustes. Wenn wir über den Verlust einer Freundschaft klagen, dann klagen wir auch immer um den Verlust unseres selbst, so Nehamas. Wenn eine Freundschaft zerbricht, dann verwirft der gewesene Freund immer auch meinen Anteil an dem was er ist. Am Ende der Freundschaft steht ein beidseitiges Sterben und das erzeugt Trauer.

Eine der schönsten, aber auch gefährlichsten Seiten der Freundschaft ist es für den Autor also, dass sie uns häufig völlig neue und unvorhergesehene Lebensrichtungen einschlagen lässt.

Jürgen Czogalla, 19.08.2017