Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Philip Pettit: Drei Tests zur Überprüfung des Ideals von Freiheit als Nichtbeherrschung

1. Der Blickwechsel-Test

Der Test verlangt, dass die Menschen so ausgestattet und in ihren Grundfreiheiten befestigt sein sollten, dass sie anderen ohne Grund zur Ergebenheit oder Angst in die Augen schauen können. Die Menschen in einer gerechten Gesellschaft sollten sich nicht davor fürchten müssen, dass Mächte ihre soziale, medizinische und rechtliche Sicherheit angreifen könnten. So müssen sie sich auch nicht bei diesen Mächten einschmeicheln und sich entwürdigen, um eine gesicherte Existenz führen zu können.

2. Der Pech-gehabt-Test

Der Test verlangt, dass eine Regierung ihr Volk auf der Grundlage einer gleichmäßig geteilten Kontrolle so unterstützen und schützen sollte, dass wenn einzelne Individuen oder Gruppen ihre Interessen einmal nicht durchsetzen konnten, diese keinen Grund haben dieses Scheitern auf eine Böswilligkeit der Regierung zurückzuführen, die sich gegen Leute wie sie richtet, sondern als Ergebnis einer gerechten Verfahrensentscheidung. Man konnte sich mit seinen Überzeugungen eben einfach nicht durchsetzen, Pech gehabt!

3. Der Offene-Rede-Test

Dieser Test verlangt, dass gewisse Ressourcen und Absicherungen für die Völker der Welt bestehen, sodass die Beiträge ihre Vertreter auf internationaler Ebene zurecht für bare Münze genommen werden können. Im Meinungsaustausch wird jedem Staatenvertreter hier mit Respekt begegnet, niemand hat hier Anlass als anmaßender Herr oder unaufrichtiger Diener aufzutreten. Jeder kann hier tatsächlich die Interessen und Anliegen seines Volkes ohne Angst vor allen anderen vertreten (ein sehr schönes Ideal, finde ich).

Jürgen Czogalla

14.06.2015