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Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Beate Rössler, Autonomie und Ambivalenz

Mit Ambivalenz sind widerstreitende Gefühle, Wünsche, Motive, Intentionen und Rollen gemeint, die uns eine Entscheidung zwischen Ihnen abverlangen, wenn eine Situation es von uns so fordert, wobei aber für die Alternativen jeweils scheinbar gleichwertige gute Gründe vorliegen. Für Rössler bedeuten Ambivalenzen mit denen richtig umgegangen wird aber keine Bedrohung von Autonomie, sondern sind Ausdruck der Komplexität des Selbst, eines vernünftigen Verhältnisses zu Konflikten von Wünschen, Überzeugungen… Sie sind Ausdruck der Kontingenz des alltäglichen Lebens. Autonomie kann so geradezu verstanden werden als vernünftiger, angemessener Umgang mit Ambivalenzen, mit der Unvereinbarkeit von Wünschen und Möglichkeiten, mit der Komplexität der Frage wie man leben will. Wenn wir uns ambivalent fühlen, so sind wir deswegen nicht irrational oder heteronom. Ambivalenz steht der Selbstbestimmtheit und dem gelungenen Leben nicht im Wege, sondern es gilt, dass wir uns halbwegs gelassen immer wieder mit uns selbst arrangieren. Das ist geradezu ein Ausdruck von Autonomie.

Jürgen Czogalla, 17.06.2017