Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Schnädelbachs Ansicht zum Subjekt-Objekt-Schema

Das Schema ‚Subjekt und Objekt‘ ist nach Schnädelbach irreführend und geht auf eine Erkenntnistheorie zurück, die mit Fehlern behaftet ist. Es geht nämlich im kognitiven Bereich nicht darum auf ein Bewusstsein zu verweisen, sondern festzustellen, ob das, was jemand sagt, mit Tatsachen übereinstimmt. Der Ort der wirklichen Erkenntnis ist der, der sich aus dem Verhältnis von Satz und Tatsache ergibt. Wichtig sind dem Autor in dieser Hinsicht, neben den Untersuchungen von Heidegger, noch besonders Wittgensteins Konstrukt des ‚Sprachspiels‘: Einzelsätze sind nur aus dem Hintergrund eines Sprachganzen verständlich. Außerdem hat, so stellt Schnädelbach dar, Wittgenstein gezeigt, dass es keine Privatsprache geben kann (eine Sprache, die nur ein Einzelner und sonst niemand versteht). Daraus folge, dass ein ganz individuelles Subjekt, ein ganz singuläres Bewusstsein, auf das Descartes rekurrierend seine Philosophie zu gründen sucht, eine erkenntnistheoretische Fiktion ist. Dazu, dass die am Erkenntnisprozess beteiligten Menschen selbst beurteilen und einsehen, was richtig und falsch ist, bedarf es keiner abstrakter Subjekte, sondern kompetenter Sprecher in einer intersubjektiv geteilten, objektiven Welt.

Jürgen Czogalla

03.04.2012