Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Eberhard Schockenhoff: Das Besondere der christlichen Ethik

Zunächst einmal ist zu sagen, dass nach Schockenhoff christliche Ethik die vernünftige Geltung moralischer Prinzipien und Normen nicht aufhebt, sondern voraussetzt. Trotzdem führt der Glaube nicht zu einer überflüssigen Verdoppelung der Moral (man könnte auch sagen, katholische Moraltheologie ist nicht überflüssig), sondern Schockenhoff ist der Meinung, dass der Glaube die Moral als ganze auf eine neue Ebene hin transponieren würde. Der Mensch ist nicht länger aufgefordert einem bloßen, ihm gegenüberstehenden, unpersönlichen (Vernunfts-) Gesetz zu folgen, sondern das Gute, dass er tut, tut er in Freundschaft zum persönlichen Gott, der den Menschen als solchen vorher bedingungslos angenommen hat ohne jede Vorleistung. Der Charakter des Ethischen, so Schockenhoff, verändert sich dadurch grundlegend: Eben nicht zuerst Forderung, sondern Antwort auf Gottes Liebe, nicht Gehorsam gegenüber dem Gesetz, sondern Freundschaft mit Gott, nicht mehr Liebe zum unpersönlichen Guten, sondern Liebe zum persönlichen Gott und zu den Menschen. Letztendliches Ziel des menschlichen Handelns werde jetzt Gott selbst, die ewige Gemeinschaft mit Gott, ein Weg ins Glück.

Jürgen Czogalla

28.08.2011