Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Amartya Sen: Der Capability-Ansatz (Befähigungsansatz)

Wenn Sen von Befähigungen spricht, dann meint er damit die Befähigung einer Person die Dinge zu tun, die sie mit gutem Grund hochschätzt. Seine Betrachtung liegt also schwerpunktmäßig auf der tatsächlichen Freiheit einer Person, die Dinge, die ihr wichtig, sind zu tun. Personen mit geringeren Befähigungen habe geringere Lebenschancen und sind benachteiligt. Der Befähigungsansatz Sens nun bewertet die Gesamtheit der individuellen Vorteile und vergleicht sie. Die Vergleichsergebnisse werden als Informationen zu Verfügung gestellt und können nun je nach Aufgabenstellung als Arbeitsgrundlage herangezogen werden (Sen nennt z.B. als solche möglichen Aufgabenstellungen Lösungswege zum Problem der Armut oder Behinderung zu suchen). Nicht vorgeschlagen werden Faustregeln für polititsche Entscheidungen, aber hingewiesen wird darauf, dass Chancenungleichheit für die Einschätzung sozialer Verhältnisse von zentraler Bedeutung ist. Wichtig ist, dass sich der Befähigungsansatz auf das Menschenleben konzentriert und nicht bloß um Daten über die Höhe des Einkommens oder von Verbrauchsgütern, Daten die in wirtschaftswissenschaftlichen Kontext häufig als Hauptkriterien für ein erfolgreiches Leben angegeben werden. Weg also von dem Lebensunterhalt hin zu den wirklichen Lebenschancen, denn die Mittel zu einem befriedigenden Leben sind nicht zugleich schon die Zwecke eines guten Lebens. Gefragt wird auch nicht bloß was eine Person tut, sondern nach dem was sie zu tun vermag, ganz gleich ob sie ihre Fähigkeiten dann auch in freier Entscheidung einsetzt oder nicht.

Jürgen Czogalla

31.12.2010