Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Singers Grundsätze für eine neue Umweltethik

Die Umweltfrage, so Singer, konfrontiert uns mit der Bedrohtheit unseres Lebens. Daher ist eine Umweltethik vonnöten, die jeden der Umwelt zugefügten Schaden als moralisch bedenklich, wenn der Schaden aber unnötigerweise zugefügt wird, als moralisch falsch beurteilt. Verschwendungssucht und unnötiger Verbrauch sind Laster, Tugenden sind etwa Schonung und Wiederverwertung von Ressourcen und Genügsamkeit. Die allerwichtigste Grundlage einer neuen Umweltethik müsste nach Singer die Entwicklung der Rücksichtnahme auf die Interessen aller empfindungsfähiger Wesen sein, damit inbegriffen ist die Entwicklung und Weitergabe der ästhetischen Wertschätzung der Natur. Die Ideale einer materialistischen Verschwendungsgesellschaft, die ihren Erfolg nur an Konsumgütern misst, werden also verabschiedet. Wichtiger werden jetzt die Entwicklung eigener Fähigkeiten und die Erlangung von anderweitiger Befriedigung und Erfüllung, wie z.B. liebevoller Beziehungen und Aktivitäten, die mit der Umwelt harmonieren und sie nicht schädigen. Für Singer gehört dazu etwa auch der Verzicht auf tierische Nahrung, wenn anderweitige Lebensmittel vorhanden sind.

Jürgen Czogalla

05.09.09