Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Bernard Williams, Der Begriff der Moral. Eine Einführung in die Ethik, Stuttgart 2007

Dieses kleine Büchlein, erstmals erschienen im Jahre 1972 auf Englisch, eine Einführung in die Ethik zu nennen, ist schon etwas kühn. Denn was man erwartet, eine zumindest halbwegs ausführliche Darstellung der unterschiedlichen Hauptkonzeptionen der Ethik, Darstellung und Erklärung der wichtigsten ethischen Grundbegriffe, findet hier eigentlich so nicht statt, und wo doch, dann sehr fragmentarisch. Dass er hier eher ungewöhnliche Wege beschreitet, ist sich der Autor selbst auch bewusst, denn im Vorwort verteidigt er seine zugegebenermaßen 'verschlungene' Vorgehensweise. Darin räumt er selbst ein, dass sein sehr kurzes Büchlein (110 Seiten) kein Lehrbuch, ja noch nicht einmal ein einführender Abriss in die Moralphilosophie sei. Williams bezeichnet das, was er geschrieben hat, als einen Essay. Er verteidigt sich damit, dass Bücher über Moralphilosophie sehr oft allzu überallgemeine und übersimplifizierende Systematisierungen enthalten würden und das, obwohl gerade sie dafür besonders wenig geeignet wären. Williams meint, dass man sich lieber mehr den moralischen Phänomenen selbst verschreiben sollte, wie man sie aus eigener Erfahrung oder Vorstellung kennt. Dass viele wichtige Fragen in einem Essay nicht behandelt werden können hält der Autor für unvermeidlich und er selbst meldet zuletzt Zweifel an, ob er den idealen Weg beschritten hat, wie man richtig über Moralphilosophie schreiben sollte.

In dem Buch behandelt Williams in kurzen Abschnitten das Problem des Amoralismus, den Subjektivismus, den er zu entschärfen versucht, den Relativismus, die Bedeutung von 'gut', Gutsein und Rollen, moralische Maßstäbe, Gott und die Moral, worum es in der Moral überhaupt geht und eine sehr kurze Darstellung des Utilitarismus und seiner Kritik an ihm.

Das Buch ist scharfsinnig und dabei unterhaltsam und durchaus auch witzig, so etwa schon, wenn der Autor ganz am Anfang in seinem Vorwort über die Risiken des Schreibens über Moralphilosophie philosophiert. Allerdings wird sich die Tiefe und der Witz dieses Essays meiner Meinung nach eher dem in (Moral-)Philosophie schon etwas versierten Leser erschließen, für einen Ersteinstieg in Ethik finde ich das Buch eigentlich weniger gut geeignet, denn es ist sehr kurz und dabei alles andere als einfach. Für mich war es jedenfalls ein Genuss.

Jürgen Czogalla, 15.10.2012

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