Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Katharina Zeitler, Siehst du die Welt auch so wie ich?, Philosophieren in der Kita, Freiburg im Breisgau 2012, 2. Auflage

Das Buch ist ein Anleitungsbuch für Erzieherinnen für den Kindergartengebrauch. Es erklärt kurz um was es beim Philosophieren geht und welchen Nutzen es für die Kinder hat: Sie können hier erfahren, was andere zu bestimmten Fragen denken, es werden Vorurteile angesprochen und können abgebaut werden. Außerdem können sich die Kinder über Fragen, die sie bewegen, austauschen und lernen ihre Antworten zu präzisieren und zu begründen. Schließlich lernen sie auch Dinge einfach zu hinterfragen. Dabei wird insbesondere ihre Kreativität gefördert und die Kinder können sich ganz neue Welten erschließen und sie haben auch erfahrungsgemäß Freude an diesen Aktivitäten. Das alles führt dazu, dass die Entwicklung der Persönlichkeit der Kinder unterstützt wird. Auch für die leitende Erzieherin kann es aber zum Gewinn werden, einfach indem sie sich den Grundfragen des Lebens noch einmal selbst stellt. Und schließlich lernt sie auch die Kinder besser und oft auf überraschende Weise neu kennen.

Das Buch zeigt dann allgemein wie man so eine philosophische Einheit vorbereiten kann (Gruppengröße und Alter der Kinder, der Einstieg, das Thema und der zeitliche Rahmen).

Dann geht die Autorin richtig in die Praxis mit sieben vorgestellten philosophischen Einheiten für Kinder (Ich, Glück, Zeit, Tod, Freundschaft, Mut, Gott). Sie sind so aufgebaut, dass der Erzieherin einige philosophische Informationen und Fragen für vertiefte Selbstreflexion zur Vorbereitung der Einheit geliefert werden. Dann folgen Vorschläge für den Einstieg mit den Kindern (Einstiegsfragen, Buchvorschläge aus denen zu Anfang vorgelesen werden kann, etc.). Dann wird ein Kreativimpuls vorgeschlagen (Kinder basteln oder malen z. B. etwas zum Thema), oder auch mal eine Bildbetrachtung oder kleine kindgerechte Meditation. Gelegentlich wird auch ein Spielimpuls angeregt, wie z. B. ein Rollenspiel.

Das Buch schließt dann mit einem Interview einiger Erzieherinnen, die Philosophieren in der Kita in ihrem Arbeitsbereich verwirklicht haben. Sie berichten dort von ihren Erfahrungen und auch davon, womit sie sich manchmal schwerer tun. Ihre Bilanz ist aber insgesamt sehr positiv.

Als insgesamt wichtig wird herausgestellt, die Kinder bei der Moderation des Gespräches nicht in eine bestimmte Richtung zu drängen, sondern ihre Gedankengänge durch Impulsfragen zu unterstützen, so zum Beispiel, indem man nach Begründungen oder Beispielen fragt, Gegenpositionen herausstellt oder auf Bezüge zwischen einzelnen Aussagen hinweist. Diese Impulsfragen dürfen aber nicht so gestellt werden, dass man aus ihnen eine (vermeintlich) gewünschte Antwort heraushören kann.

Das Buch ist hübsch herausgegeben mit schönen Bildern und Fotos, die auch zu dem Kitabereich passen. Das Buch ist sehr verständlich und didaktisch ganz wunderbar gestaltet, die Anleitungen und Anregungen sind praxiserprobt und machen Lust, das Gelesene auch mal in der eigenen Kitagruppe zu erproben. Dabei werden auch Hemmungen abgebaut, denn man braucht natürlich kein Philosoph mit Studiumabschluss zu sein um mit Kindern zu philosophieren. Einige Materialien und Kopiervorlagen für die Gruppenarbeit sind außerdem auch noch zusätzlich zum Buch enthalten. Herausgegeben wurde das Buch im Auftrag der Akademie Kinder philosophieren im Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e.V.. Es ist meiner Meinung nach eine wirklich gelungene philosophische Anleitung für die Kita!

Anmerkung: Gerade ist auch eine ganz neue Auflage des Buches erschienen (2016), diese Rezension bezieht sich noch auf die ältere Auflage von 2012 von der gleichen Autorin.

Jürgen Czogalla, 17.09.2016

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