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Philosophisch-ethische Rezensionen
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Karsten Lehmkühler, In der Wahrheit leben, Ethik der Wahrhaftigkeit in Zeiten der Post-Wahrheit, Leipzig 2026Lehmkühler meint, dass ein Leben in Wahrheit führen ein hohes Gut ist. Es geht
um Fragen des Lebensvollzuges, wie ein menschliches Leben von Wahrheit geprägt sein kann. Der Frage wie ein solches Leben
möglich ist, geht Lehmkühler in 3 Kapiteln nach: Zunächst einmal geht es um Wahrhaftigkeit uns selbst gegenüber, dann um die
Wahrhaftigkeit in menschlichen Beziehungen und schließlich um Wahrhaftigkeit und Wahrheit in der Gesellschaft. Die Frage
nach der Wahrheit in der Gesellschaft wird also in den Gesamtzusammenhang eines Lebens in der Wahrheit gestellt. Denn
wahrhaftig sind wir, so weiß Lehmkühler, als Personen in allen diesen 3 Bereichen des Lebens. Selbstlüge wird als eine
Quelle der Lüge zwischen den Menschen identifiziert. Dabei stellt sich für Lehmkühler heraus, das ein Leben in der Wahrheit
sich am besten als
Tugendethik entfaltet, denn hier geht es darum, welche Person wir sein wollen oder sein sollten. Durch
Einübung in einer entsprechenden Lebensführung können wir sie erreichen und dann kann uns diese Tugend dazu leiten, in konkreten
Situationen wahrhaftig zu handeln. Dabei bezieht der Theologe Lehmkühler auch theologische Aspekte mit ein und greift so etwa
auch auf Gedanken von Augustinus, Thomas von Aquin, Luther und besonders auch auf Bonhoeffer zurück und diskutiert sie. Philosophen,
die ihm zu diesem Thema wichtig sind, sind etwa Aristoteles, Kant, Sartre, Bernhard Williams und Foucault. Außerdem nimmt er
immer mal wieder Ausflüge in säkularer Literatur, aber auch in die Bibel, zum Thema vor. Das Buch bleibt bei aller Tiefe zugänglich auch für Menschen ohne großen theologischen oder philosophischen Bezug. Ein bisschen anstrengen muss man sich aber schon und in diesem Falle hält einen ja ein interessantes Thema bei der Stange und will Lust machen auf ein Leben jenseits von Selbstbetrug, Post-Wahrheit und Fake News. Ein Leben in Wahrheit lohnt sich dabei aber nur, wenn es nicht in einen Wahrheitsfanatismus ausufert, der keinerlei Rücksicht mehr auf zwischenmenschliche Beziehungen nimmt und in den Zynismus führt, weiß Lehmkühler. Also gerade in unserer Zeit ein wichtiges Thema. Das Theologische erscheint hier als ein weiterer Ansatz, der dezent präsent bleibt, ohne gleich die völlige Herrschaft über das Buch an sich zu reichen. Also auf jeden Fall noch ein wirklich philosophisches Buch. Jürgen Czogalla, 16.08.2026 ![]()
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