Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Wilhelm Vossenkuhl: Maximenmethode, was ist das?

Vossenkuhl verdeutlicht seine Methode häufig mit plastischen Beispielen. So erklärt er am Problem der Versorgung für Langzeitarbeitslose im Konflikt mit den Ausgaben für die innere Sicherheit sein Maximenmethode. Wie sollen hier die knappen steuerlichen Mittel am besten verteilt werden? Die Knappheitsmaxime fordert hier die Verteilung teilbarer Güter zu Lasten der inneren Sicherheit hin zu verändern, denn es handelt sich um ein teilbares Gut, das nicht etwa zu Lasten der Unterstützung der Langzeitarbeitslosen, welches deren Lebenssicherung dient und also ein unteilbares Gut ist, bevorzugt werden sollte. Die Normenmaxime nun aber, die dazu dienen soll, alle legitimen normativen Ansprüche zu sichern, wird nun weder empfehlen die Mittel für die Langzeitarbeitslosen zu senken noch die innere Sicherheit zu gefährden. Diesen Konflikt kann die Normenmaxime nicht lösen, weil er schlicht normativ nicht entscheidbar ist. Der Konflikt wird so an die Integrationsmaxime weitergereicht. Ihr geht es ja um die Lebensfähigkeit des ganzen sozialen Systems und um die Möglichkeit des guten Lebens. Hier sind Einsparungen teilbarer Güter nur dann gerechtfertigt, wenn dadurch unteilbare Güter, die für das Ganze wichtig sind, nicht gefährdet werden. Durch eine zu geringe Zuweisung von Mitteln zur inneren Sicherheit könnte aber nun die Stabilität des Ganzen gefährdet werden, denn das teilbare Gut innere Sicherheit enthält sozusagen sekundär unteilbare Güter über ihre Funktion den Schutz individuellen Lebens vor Gewalt sicherzustellen. Aus diesem Grund kann sie nicht so einfach zur Disposition gestellt werden, wenn sie in Konflikt mit anderen Ansprüchen gerät. Vorstellbar wäre etwa die Aufwendungen für innere Sicherheit nur zeitweise zu reduzieren, was aber nicht möglich ist ohne ausgleichende, kompensatorische Sicherungen, die belastend sein werden. Nach Vossenkuhl ist dieser Konflikt nicht wirklich befriedigend zu lösen, es sei denn der Staat verfügt wieder über die nötigen Einnahmen um beide Seiten zu befriedigen. Im Ganzen soll die Maximenmethode verhindern, dass sich normative Ansprüche kontinuierlich konterkarieren und sich dabei unmerklich in ihrer Substanz auflösen.

Jürgen Czogalla

02.05.2010