Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Rémi Brague, Anker im Himmel. Metaphysik als Fundament der Anthropologie, Wiesbaden 2018

Rémi Brague erklärt, was Metaphysik ist und erzählt die Geschichte der Metaphysikkritik, die für ihn im Nihilismus gipfelt. Denjenigen, die sich gegen eine metaphysische Weltsicht stellen unterstellt er ganz allgemein, dass ihre Lebensanschauung die Existenz der Menschheit gefährdet. Er wirft ihnen vor, dass sie keine Gründe hätten um Leben weiterzugeben. Einen konsequenten Atheisten, der Kinder hätte, wäre für Ihn, wenn man dessen Grundsätze auf ihn selbst anwendete, ein Krimineller. Dazu gibt er ein paar Aussagen von Atheisten, wie zum Beispiel Emile Cioran, zum Besten die er für mich in grotesker Weise auf alle Atheisten und den Atheismus als Geisteshaltung verallgemeinert. Atheistische Argumente für Ablehnung der Zeugung, die er zitiert sind etwa die Abneigung eigene Mängel weiterzugeben und die Kinder die schlimmen Prüfungen aufzubürden, die man selbst durchlaufen hat, sie sozusagen ins Unglück zu schicken, die Ablehnung aus Mitleid zum Erzeuger zu werden. Dem setzt der Autor die Überzeugung entgegen, dass das Leben nicht nur erfreulich, sondern auch in allen Wechselfällen des Lebens bejahenswert ist. Sein und das Gute fallen für ihn zusammen. Er plädiert für eine Rückbesinnung auf Platon und versucht die Metaphysik zu restaurieren, ohne die Vorzüge unserer Zeit zurückzudrehen. Metaphysikkritikern wirft er vor eine Karikatur von Metaphysik als Gegner aufgebaut zu haben, die am Wesen der Metaphysik vorbeigeht. Für den Autor wird mit der wachsenden Fähigkeit zwischen Sein oder Nichtsein zu wählen es immer drängender, gute Gründe dafür zu haben da zu sein. Für ihn ist die Frage entscheidend ob die Tatsache, dass es überhaupt Menschen gibt, die sich an Gütern wie etwa Nahrung für alle zu besorgen, Kultur zu vermitteln, zu heilen, in Frieden zu leben etc. an sich selbst als Gut anzusehen ist. Als Antwort braucht es nach Meinung des Autors eine starke Metaphysik als die unverzichtbare Infrastruktur zur Fortsetzung des Lebens der Menschen.

Der Autor verhält sich nicht anders, als diejenigen, denen er vorwirft ein Zerrbild der Metaphysik zu malen. Das kann er noch viel besser in dem er dem Atheismus ganz allgemein Lebensfeindlichkeit vorwirft und sich so einen Pappkameraden erstellt um zu zeigen wie unbedingt es nötig ist sich auf Platon zurückzubesinnen. Das ist ziemlicher Mist. Damit meine ich jetzt aber nicht eine der Metaphysik zugeneigte, irgendwie religiöse Natur. Ich bin ja selbst überzeugter Christ. Es muss darum gehen eine Gemeinschaft anzubieten, in der sich auch andere wohlfühlen können, die vielleicht noch draußen sind. Irgendwelche utopische, wirre Horrorszenarien wie der drohende Selbstmord der Menschheit bei der man dann noch die Bevölkerungsexplosion als Phantasiebild bezeichnet, wirken da auf mich weder vertrauenserweckend noch irgendwie einladend, sondern obskur, unsinnig und vor allem erzkonservativ und unglaubwürdig.

Jürgen Czogalla, 25.02.2018