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Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Wolfram Eilenberger, Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten. 1933-1943, Stuttgart 2022

Das Buch ist das mittlere Buch zu einer Trilogie. In „Die Zeit der Zauberer“ beschäftigte sich Eilenberger mit 4 bedeutenden Philosophen von 1919-1929 und in “Geister der Gegenwart“ mit 4 bedeutenden Philosophen von 1948-1984. Alle diese Bücher habe ich bereits hier rezensiert und jetzt also auch noch das mittlere.

Vorgestellt werden hier 4 bedeutende Philosophinnen, die sich sozusagen in diesen Jahre der Krise und des Krieges selbst gefunden haben: Simone de Beauvoir, die in dieser Zeit ein ziemlich hedonistisches Leben führt und erst beginnt, den Anderen zu entdecken, Simone Weil, die ob ihrer Philosophie der Anteilnahme und des Mitleidens den Verstand verliert, Ayn Rand, die ihr Ideal, dass das Individuum dem Kollektiv überlegen und der Individualismus und Kapitalismus der einzige Weg zu einer guten, freien und gerechten Gesellschaft ist, entwickelt und Hannah Arendt, die als Jüdin aus Deutschland um ihr Leben nach den USA flüchtet und ihre leidvollen Erfahrungen in ihre Philosophie wirkmächtig einbringt.

Wie schon bei den anderen erfolgreichen Büchern des Autors ist das Buch leichtgängig geschrieben und bietet in die Lebensverhältnisse der behandelten Philosophinnen und ihrer Denkentwicklung kompetenten und spannenden Einblick. Von den besprochenen 4 kann ich mich am ehesten noch für Hannah Arendt begeistern, die kurioser Weise trotz ihres über Jahre hinweg unsicheren Flüchtlingsstatus noch die Bodenständigste der 4 ist. Weil dagegen verstrickt sich mehr und mehr in ein mystisches Denken, dass ihr zuletzt den Blick für die Realität nimmt und in die geistige Umnachtung führt, auch wenn Eilenberger das nicht so hart ausdrückt. Im Fall von Beauvoir wird schon fast zwangsläufig auch die Geschichte von Sartre erzählt, denn beider Denker sind miteinander aufs Innigste, auch natürlich durch ihre lebenslange Liebesgeschichte, miteinander verbunden. Was Rand betrifft, finde ich ihre Philosophie doch etwas grobschlächtig und ihr Ideal unterkomplex und der Realität und vor allem auch unseren heutigen Problemen – Klimawandel – nicht angemessen, wobei Rand von dem letzteren noch gar nichts wusste. Vor allem aber durch ihre mitreißenden philosophischen Romane ist sie dennoch bis heute sehr einflussreich. Ein bewegender und spannender Blick in die neuere Philosophie, Philosophien entstanden in einer dunkler Zeit.

Jürgen Czogalla, 01.02.2026

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