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Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Wolfram Eilenberger, Ayn Rands idealer Mensch in ihrem Roman „Der ewige Quell“ („The Fountainhead“, 1943)

In dem Hauptprotagonisten des Romans, Howard Roark, verkörpert sich, so weiß Eilenberger, Rands Ideal. Roark ist ein Mann, der seine Emotionen vollständig durch seinen Verstand steuert, der also keine unvernünftigen Affekte oder Gefühle hat, wie z.B. Angst, Reue oder Antriebsarmut. Denn das sind für Rand Schneisen in die innere Leere und Einfallstore des Anderen und damit Roark natürlich wesensfremd. Er ist ganz Tatenlust und Fülle, geleitet von ureigenster Schöpferkraft und Genius. Die Motive seines Tuns liegen nicht darin seinen Mitmenschen irgendwie hilfreich zu sein, sondern darin nach bestem Wissen und Gewissen die Lösung für ein Problem zu suchen: Der Wille zur Wahrheit des Werkes. Kreativität als notwendiger Wille zur Abweichung. Der menschliche Fortschritt notwendig als das Werk von Einzelgängern, die dafür von der Masse abgestraft werden. Sie plädiert für ein Land, das nicht gegründet ist auf selbstlosen Dienst, auf Opfer und Verzicht, oder Altruismus, sondern auf dem Streben nach Glück, seinem eigenen Glück und nicht das Glück eines anderen. In dem Roman sprengt der Architekt Roark eine von ihm erdachte Modellsiedlung, weil man seinen Entwurf nicht unverändert umsetzen will. Er tut dies, weil es im Namen der Unabhängigkeit und Integrität eines jeden vernünftigen Menschen ist, seine geistigen und leiblichen Eigentumsrechte zu wahren. Also einen Werte wahrenden Widerstand in finsteren Zeiten des Kollektivismus zu leisten. Roark erkennt keine Verpflichtungen gegen andere an als diese: Ihre Freiheit zu achten und sich nicht mit einer Gesellschaft von Sklavenhaltern einzulassen. Roark ist also ein Mann von heroischer Unbeirrbarkeit, ein Bewusstsein, das sich alleine spürt ohne von den Einflüsterungen Anderer irgendwie belastet zu sein. Was dem sogenannten gesunden Menschenverstand, so Eilenberger, als schwere Deformation, als offen narzisstische Störung erscheint, ist für Rand der zu erstrebende Sollzustand eines gesunden Egos.

Jürgen Czogalla

01.02.2026