Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Christoph Möllers, Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität, Berlin 2015

Der Autor versteht Normen als positiv markierte Möglichkeiten. Sie verweisen auf einen möglichen Zustand oder ein mögliches Ereignis. Darum hält er es für sinnlos etwas Unmögliches zum Gegenstand einer Norm zu machen. Von Normativität kann man also nach Meinung des Autors nur sprechen wo angenommen wird, dass die Welt anders sein könnte als sie gegenwärtig ist und wo diese Annahme auch entsprechend angezeigt, kenntlich gemacht ist. Den Kern normativer Praktiken machen für ihn Techniken der Selbstdistanzierung aus. Sie nehmen auf ein gegenwärtiges Geschehen Bezug, distanzieren sich aber zugleich von ihm in dem sie zu anderen Möglichkeiten hinleiten möchten. Mit seiner These distanziert sich der Autor von zwei Erklärungsweisen für Normen: Einmal die Ansicht, die Normen auf Gründe reduzieren möchte und andererseits von der Annahme, dass Normen nur über Effekte und Wirkungen zu beschreiben sind. Als soziale Form lassen sich aber für den Autor Normen weder auf moralische Gründe noch auf kausale Wirkungen reduzieren.

Das Buch ist starker Tobak, will sagen ein ausgesprochenes Fachbuch. Kritisierte Autoren und Theorien werden meist nur kurz „im Vorübergehen“ dargestellt und dann ihre Defizite vor Augen geführt. Dabei wird bei solcher Kurzdarstellung eine gewisse Kenntnis dieser Theorien im Grunde schon vorausgesetzt. Das Buch ist im wissenschaftlichen Fachjargon geschrieben, komplex und mit Fachausdrücken gespickt. Hier hat wirklich nur der Kenner und Liebhaber von Normentheorien seine Freude. Der Autor präsentiert es als sperriges Thema. Und so hat mich das Buch über weite Strecken denn auch nur furchtbar gelangweilt. In dieser Form verdient es darum, trotz teils nicht uninteressanter und fachkundiger Thesen meiner Meinung nach kein breiteres Publikum. Ich kann mir aber vorstellen, dass Studenten sich damit abquälen müssen - die Armen!

Jürgen Czogalla, 30.12.2018

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