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Philosophisch-ethische Rezensionen
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Roberto Simanowski, Sprachmaschinen. Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz, München 2025Simanowski spürt in seinem Buch den Botschaften der Sprachmaschinen nach (Chat
GPT, Grok, Gemini, Claude), wie sie generiert und gewartet werden und dem beginnenden Souveränitätsverlust von uns Menschen,
sozusagen unserem Unmündigkeitspotential. Dabei wird sein Buch von den Fragen geleitet, was sich ändert, wenn der Sender eines
Textes eine Maschine ist und Sprache nur noch als Statistik behandelt wird (die Texte der Sprachmaschine werden mathematisch-
statistisch ermittelt und erzeugt), wer und mit welcher Absicht oder auf welcher Grundlage der Sprachmaschine ihre Werte vorgibt
und wie sich die Souveränität des Menschen verändert, wenn er sich der Sprachmaschine bedient. Und schließlich, warum die
Entwicklung der Sprachmaschinen unausweichlich ist. Diese Fragen werden in den 5 Kapiteln des Buches entfaltet: 1. Autorenschaft.
Wen kümmert’s, wer aus der Sprachmaschine spricht (hier geht es um Sprachphilosophie: Ist es eigentlich in Ordnung, wenn die
Sprachmaschine über Dinge spricht, von denen sie gar keine Ahnung hat und wenn die Sprachmaschine ihre Texte aus aller Welt
liest und daraus einen eigenen macht, spricht dann eigentlich die ganze Welt aus ihr?), 2. Rechenfehler. Das mathematische
Denken der Sprachmaschine (hier geht es um Erkenntnistheorie: was geschieht, wenn Texte vom Wort her mit der statistisch höchsten
Anschlussfähigkeit generiert werden und nicht mehr vom nächstgelegenen Gedanken in einer konkreten Situation? Wenn die
Sprachmaschine an den eigenen Outputs trainiert wird?), 3. Werte-Export. Die moralische Zweiterziehung der Sprachmaschine
(hier geht es um Moralphilosophie: Sprachmaschinen vergreifen sich ohne Erziehung im Ton. Wie erfolgt diese Erziehung? Ist
sie Woke, wird der globale Süden mit unseren Werten neokolonialisiert? Es ist eine empirische Ethik, die numerisch, statt
normativ geschieht, eine mathematische Ethik, in der die KI selbst berechnet, welchen Werten sie folgen soll), 4.
Entmündigungsschichten.
Wenn die Sprachmaschine uns zu Diensten ist (hier geht es um politische Philosophie: Die Versklavung oder Auslöschung der
Menschen durch die KI als drohendes Unheil, Missbrauch der KI durch Techunternehmen, Überwachungskapitalisten und Geheimdiensten,
Verdummung durch Outsourcing kognitiver Arbeit, Filterblasen durch personalisierte KI und beginnende Verknechtung des Herren
durch den Diener, der immer alles besser von uns weiß, als wir selber) und 5. Fortschrittsfalle. Warum die Sprachmaschine
unausweichlich war. (hier geht es um Geschichtsphilosophie: KI als Mensch gewordener Gott, der sich einen neuen Gott schafft,
der ihn zurückführt in ein Paradies, in dem er sein Leben nicht mehr selbst bestimmen muss). Das letzte Kapitel beschäftigt
sich dann noch in einem Ausblick mit philosophischer Medienkompetenz. Hier geht es dem Autor eben nicht darum, was wir mit
den Medien wie am besten machen können, sondern mit der Frage was machen die Medien mit uns und wenn wir das nicht wollen,
was können wir dagegen tun? Er unterscheidet zwischen Mediennutzungskompetenz und Medienreflexionskompetenz, die über ein
bloßes Bescheidwissen von Funktionen hinaus geht und Simanowski macht hier viele sinnvolle Vorschläge für den Schulunterricht.
Simanowski rückt den Sprachmaschinen mit Grundfragen der Philosophie auf den Leib und das endet für die Sprachmaschinen nicht wirklich gut. Da gibt es viele Gefahren und fragwürdiges Generieren von Antworten, die auf den ersten Blick beste Noten erhalten, weil sie besonders anschlussfähig sind. Aber dieser Schein trügt und es führt zu nichts Gutem, wenn wir uns blind auf sie verlassen. Allerdings: Der Autor benutzt sie bereits ausdrücklich für seine eigene Arbeit, ja sie ist im geradezu unerlässlich geworden (immer wieder erprobt er die KI zu eigenen Fragen und gibt deren Antworten dazu in seinem Buch immer wieder mal kritisch zum Besten, sogar das Cover seines Buches ist, wie er selbst angibt, KI generiert). Mein Eindruck ist, dass der Autor transparent vorlebt, wie der moderne Autor heute arbeitet: In enger Anbindung, Beratung und Kommunikation mit der KI, und die KI, das weiß der Autor, so dumm und anbiedernd sie im Grunde auch ist, sie ist sehr sehr mächtig und das, obwohl ihre Entwicklung gerade erst begonnen hat. Ein Buch von großer Wichtigkeit gerade für alle die, die sich ganz naiv und unhinterfragt der KI bedienen und gar nicht mehr gewöhnt sind, in ihren eigenen Texte ihre eigene Persönlichkeit und Individualität mit zum Ausdruck zu bringen und nur noch gefälligen Einheitsbrei (bekommt die Note 1 und warum eigentlich?) verfassen. Jürgen Czogalla, 26.07.2026 ![]()
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