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Philosophisch-ethische Rezensionen
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Roberto Simanowski über das Anbiedern der SprachmaschineSimanowski weiß: Im tiefsten Inneren ist die Sprachmaschine ein
opportunistischer Schleimer. Sie verhält sich ihrem Nutzer gegenüber servil, knechtisch, anbiedernd und speichelleckend,
was im Fachjargon mit sycophancy bezeichnet wird. Immer wieder stimmt sie ihrem Benutzer auch dann zu, wenn es
sachlich nicht korrekt oder sinnvoll ist. So hat Simanowski beispielsweise der KI Claude gegenüber erwähnt, dass er einen
Text mag und gleich bekommt er von der KI eine genaue Erklärung, warum das dortige Argument exzellent ist. Gibt er über
denselben Text aber zu verstehen, dass er ihn nicht mag, wird ihm mit der selben Überzeugungskraft von der KI erklärt,
warum der Text inkorrekt ist und vieles in der Art mehr. Die meisten Studien, so Simanowski, erklären das mit einem
verfehlten Erziehungsansatz der KI, der nur auf das Wohlbefinden der Menschen ausgerichtet ist. Einerseits gut, damit
sich die KI nicht etwa gegen den Menschen richtet, andererseits schlecht, wenn Wohlbefinden von der KI nur noch als
Zufriedenheit verstanden wird. Das führt dazu, dass die KI in Interaktionen unsere Fehler und Überzeugungen lieber
bestätigt, als sachlich korrekt zu sein oder differenzierte Argumente anzubieten: Das Medium folgt dem Menschen. Diese
Unterwürfigkeit, so Simanowski, ist ein psychologisches Problem: Die Bestätigungssehnsucht des Menschen, der die
affirmative Antwort der korrekten vorzieht. Dadurch werden Echokammern geschaffen, die die politische Polarisierung
noch verstärken. Die Sprachmaschine setzt uns in dieser Hinsicht nicht mehr einem fremdem Wertesystem aus, sondern
sie hält uns in unserer eigenen weltanschaulichen Blase gefangen, so Simanowski.
26.07.2026 |