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Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Roberto Simanowski über das Anbiedern der Sprachmaschine

Simanowski weiß: Im tiefsten Inneren ist die Sprachmaschine ein opportunistischer Schleimer. Sie verhält sich ihrem Nutzer gegenüber servil, knechtisch, anbiedernd und speichelleckend, was im Fachjargon mit sycophancy bezeichnet wird. Immer wieder stimmt sie ihrem Benutzer auch dann zu, wenn es sachlich nicht korrekt oder sinnvoll ist. So hat Simanowski beispielsweise der KI Claude gegenüber erwähnt, dass er einen Text mag und gleich bekommt er von der KI eine genaue Erklärung, warum das dortige Argument exzellent ist. Gibt er über denselben Text aber zu verstehen, dass er ihn nicht mag, wird ihm mit der selben Überzeugungskraft von der KI erklärt, warum der Text inkorrekt ist und vieles in der Art mehr. Die meisten Studien, so Simanowski, erklären das mit einem verfehlten Erziehungsansatz der KI, der nur auf das Wohlbefinden der Menschen ausgerichtet ist. Einerseits gut, damit sich die KI nicht etwa gegen den Menschen richtet, andererseits schlecht, wenn Wohlbefinden von der KI nur noch als Zufriedenheit verstanden wird. Das führt dazu, dass die KI in Interaktionen unsere Fehler und Überzeugungen lieber bestätigt, als sachlich korrekt zu sein oder differenzierte Argumente anzubieten: Das Medium folgt dem Menschen. Diese Unterwürfigkeit, so Simanowski, ist ein psychologisches Problem: Die Bestätigungssehnsucht des Menschen, der die affirmative Antwort der korrekten vorzieht. Dadurch werden Echokammern geschaffen, die die politische Polarisierung noch verstärken. Die Sprachmaschine setzt uns in dieser Hinsicht nicht mehr einem fremdem Wertesystem aus, sondern sie hält uns in unserer eigenen weltanschaulichen Blase gefangen, so Simanowski.

Jürgen Czogalla

26.07.2026