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Philosophisch-ethische Rezensionen
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Jane Bennett, Umweltschutz und vitaler MaterialismusLaut Bennett fällt es der am Umweltschutz orientierten Öffentlichkeit schwer,
Tiere, Pflanzen und Mineralien als genuine Mitglieder anzuerkennen, weil Nichtmenschliches hier als passive Umwelt verstanden
wird, vielleicht auch als dem menschlichen Handeln irgendwie widerständig. Eine materialistisch orientierte Öffentlichkeit
müsste dagegen diese als weitere Aktanten akzeptieren. Während Umweltschützer Subjekte sind, so Bennett, die auf der Erde
leben, sind vitale Materialisten Subjekte, die als Erde leben und somit aufmerksamer für die Möglichkeiten und Grenzen
von Materialien aus denen sie auch selber bestehen. Beim Umweltschutz geht es um Schutz und vorausschauende Verwaltung
des Ökosystems, beim vitalen Materialismus geht es darum, sich mit einer energetisch sich entfaltenden Materialität
auseinanderzusetzen, die wir zum einen selbst sind und mit der wir andererseits innerhalb handlungsmächtiger Gefüge
wetteifern. Hier kommen zusätzliche Diskurse ins Spiel, wie z.B. wie können Menschen eine stärkere Aufmerksamkeit für
die öffentlichen Aktivitäten, Affekte und Effekte von Nichtmenschen entwickeln? Welchen Gefahren wir uns aussetzen,
wenn wir weiterhin die Macht der Dinge übersehen und welche Affinitäten zwischen uns und den Dingen offenbar werden,
wenn wir sowohl uns als auch die Dinge als lebhafte Materie auffassen? Als Vorteil des vitalen Materialismus fasst
sie auf, dass Umwelt nicht bloß als Substrat menschlicher Kultur definiert wird, sondern der Begriff der Materialität
beides Menschliches und Nichtmenschliches gleichermaßen einschließt. So wird die Aufmerksamkeit weg von ontologischen
Hierarchien seitwärts zu den komplexen Verstrickungen von Menschlichem und Nichtmenschlichen hingewendet. Außerdem wird
die Materie als lebendig, energetisch, vibrierend und vital aufgefasst. Damit stört der vitale Materialismus sowohl
ein Denken von teleologischer Organisation, als auch vom Bild der Natur als Maschine. Und schließlich wird laut Bennett
der vitale Materialismus dem fremden Charakter unserer eigenen Leiblichkeit besser gerecht. Er erinnert den Menschen
an die Verwandtschaft von Menschlichem und Nichtmenschlichen. Mein Fleisch ist von verschiedenen Schwärmen bevölkert und
durch sie konstituiert. Es genügt dabei nicht zu sagen wir seien verkörpert, sondern wir sind eine Anordnung von Körpern.
Bennett meint, dass wenn wir aufmerksamer für die unverzichtbare Fremdheit wären, würden wir dann weiterhin auch nicht
mehr auf leichtsinnige und zerstörerische Art produzieren und konsumieren.
11.01.2026 |