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Philosophisch-ethische Rezensionen
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Gottfried Gabriel, Kontemplativer Solipsismus in Wittgensteins TractatusFür Wittgenstein, so Gabriel, ist die Seele, das Ich überhaupt kein Gegenstand.
Denn Gegenständen ist wesentlich, so Gabriel, dass sie in Sachverhalten als mögliche Tatsachen vorkommen und so zur Welt
gehören. Wittgensteins Subjekt ist aber gerade kein Teil der Welt. Er sucht die Lösung des Problems des ich in der richtigen
Einstellung des Subjekts zur Welt der Tatsachen. Im Tractatus ist nur die Lebensform des Solipsismus vorgesehen, verstanden
als des von Logik durchdrungenden kontemplativen Genies. Solipsismus und Sprachauffassung passen im Tractatus zusammen,
was aber nicht gesagt werden kann, sondern was sich zeigt „...5.6 Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner
Welt..“ Wittgensteins Solipsismus bedeutet jetzt aber nicht, dass nur ich wirklich existiere. Sondern, in Anschluss an
Schopenhauer, wird das Objekt in das Subjekt aufgenommen – eine ethische Überwindung, und zugleich gibt sich das Subjekt
an das Objekt hin – eine ästhetische Überwindung. So ist nach Gabriel der Satz aus dem Tractatus zu verstehen „...6.421
Ethik und Ästhetik sind eins…“. In Wittgensteins Methode, so Gabriel, wird das Subjekt zunächst isoliert, das empirische
Ich vom transzendentalen Subjekt getrennt und zwar in dem alle Eigentümlichkeiten des empirischen Subjektes in der Selbstbeobachtung
zu Gegebenheiten auf Seiten des Objektes werden. Das empirische Subjekt wird so selbst zum Objekt und zugunsten des Objektes
ausgedünnt, bis vom Subjekt nur noch ein die Realität koordinierender Fluchtpunkt bleibt, wie bei Schopenhauer das ewige
Weltauge, das sich selbst nicht sieht. „...5.64 Das Ich des Solipsismus schrumpft zum ausdehnungslosen Punkt zusammen,
und es bleibt die ihm koordinierte Realität…“ Die Welt des Glücklichen ist hier für Wittgenstein die Welt des Kontemplativen,
die sich von der Welt des Unglücklichen dadurch unterscheidet, dass die Welt als Ganzes anderes gesehen wird, ohne dass
sich dadurch die Tatsachen an sich ändern. Das empirische Ich muss also den Standpunkt des transzendentalen Subjektes
einnehmen, so Gabriel, den widrigen Tatsachen zum Trotz. Für Gabriel ist die Welt des Tractatus eine Augenblickswelt,
die sich nicht bewahrend festhalten lässt und immer wieder droht, in eine unglückliche Phase umzukippen. Wittgenstein,
so Gabriel, scheint aber den kontemplativen Solipsismus als Dauerzustand angestrebt und gemeint zu haben. Damit hat er
sich letztlich übernommen, wie seine Biographie zeigt und hat wesentlich dazu beigetragen, dass er sich später die Frage
nach dem guten Leben neu gestellt hat, denn Wittgenstein ist ein existentieller Denker im Gewande des Logikers und Sprachphilosophen.
Er wird später etwa in den „Philosophischen Untersuchungen“ die Objekt-Subjekt Spaltung statt durch Kontemplation durch
Praxis versuchen zu überwinden.
30.03.2026.03.2026 |