Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Daniel M. Haybron, Was ist Glück? Eine Orientierung, Stuttgart 2016

Mit seinem Buch will der Autor dem interessierten Leser ein paar Wegmarken für ein glückliches Leben mit auf den Weg geben. Er arbeitet drei Aspekte eines glücklichen Lebens heraus, wobei er zugesteht, dass verschiedene Lebenskonzepte oder Ideale hier durchaus zu unterschiedlichen Schwerpunkten führen können. In einem Aspekt geht es um Sicherheit und Geborgenheit, ein Zustand, in dem keine Verteidigungsstellung nötig ist und man sich zu Hause fühlt. Der Autor nennt diesen Zustand Harmonie mit dem eigenen Leben. Eine zweite Ebene betrifft dann das Engagement für die eigene Situation. Hier geht es darum zu entscheiden, ob es klüger ist die eigenen Aktivitäten mit Nachdruck zu verfolgen oder sich zurückzunehmen oder eine Angelegenheit vielleicht ganz sein zu lassen. Auf einer dritten Ebene geht er dann auf den Aspekt der emotionalen Zustände ein, die bestätigen, dass das eigenen Leben gut verläuft („sich glücklich fühlen“). Zu allen drei Aspekten analysiert er, wie wichtig sie für ein glückliches Leben sind und wie ihr rechter Zustand und die rechte Interaktion zwischen ihnen am besten zu erreichen sind. Auch auf mögliche Irrwege macht der Autor hier aufmerksam. Als Hauptquellen des Glücks macht er dann Sicherheit, die eigenen Lebenseinstellung, Autonomie, Beziehungen und qualifizierte, sinnerfüllte Tätigkeit aus. Von einem glücklichen Leben unterscheidet er im weiteren Verlauf Wohlergehen und ein gelungenes Leben, die sozusagen eine Stufe weitergehen, denn hier geht es nun um Werte. Er stellt fest, dass Glück nicht das Einzige ist, was uns nützt, und fragt danach, was eigentlich gut für uns ist und welche Lebensform wir für uns und unsere Kinder wünschen sollten. In einem letzten Kapitel schließlich geht der Autor der Frage nach was ein gutes Leben eigentlich ausmacht.

Das Buch verdient sich ein dickes Lob schon alleine durch seine gelungene Gestaltung. Es gibt nämlich viele schöne schwarz-weiss-Fotos mit glücklichen, aber auch mit weniger glücklichen Menschen (und auch dem Blumen liebenden Stier Ferdinand). Der Autor argumentiert gut, gibt aber nicht vor ein Allheilmittel gegen ein unglückliches Leben zu haben. Es ist letztlich eine Einladung eine bestimmte Richtung einzuschlagen, wenn man denn die favorisierte Glücksdefinition des Autors überhaupt so annehmen will. Zum Glück und geglückten Leben führen viele Wege, und der Autor weiß das ganz gut. Für seine Glückswegsorientierung findet er viele überzeugende Argumente, die auch ein bisschen durch empirische Forschungsergebnisse abgesichert werden. Dabei schimmert auch immer wieder durch, dass der Autor nicht einfach Bücherwissen weitergibt, sondern aus der Erfahrung eines eigenen, glücklichen und geglückten Lebens schöpft. Das und die vielen persönlichen kleinen Anekdoten haben mir denn auch besonders gefallen. Und schließlich und endlich ist das Buch auch kein dicker Wälzer geworden, sondern viel eher ein leicht verdauliches Büchlein, dass sich gut zum Verschenken eignet.

Jürgen Czogalla, 25.12.2016

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