Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Robert Pfaller über die lustfeindliche narzisstische Weltauffassung

Nach Pfaller ermutigt die postmoderne Affektorganisation den Einzelnen dazu nur noch ihr Eigenstes zu wollen und alles Ichfremde nicht mehr zu ertragen. Darum werde für sie keine Lust mehr als Lust erfahrbar. Individuen, die keine geselligen Gebote der Lust mehr erhalten würden, würden dann anschließend schutzlose Opfer ihres Über-Ichs werden. Wenn alles Objektive schlecht ist, dann sei nur noch das Entgegengesetzte gut, das Subjektive, das Ich und alles was ihm nahesteht. Dazu gehöre dann auch nach Meinung des Autors die metaphysische Wertschätzung für das Scheitern und Gescheiterte in der Welt als eine mehr oder weniger große Würdigung des Ichs als Ausfluss einer Größenphantasie. Der Narzissmus würde die Bedeutung der materiellen Welt (z.B. Stofflichkeit, physische Präsenz, Erfolg, Geld etc.) nicht bloß ignoriereren, sondern sie geradezu dämonisieren. Es würde nur noch als das zu Überwindende, bloß Äußerliche und Schmutzige wahrgenommen. Das Streben nach dem Eigenen, dem Authentischen läuft auf die Zerstörung des öffentlichen Raumes hinaus, in dem der Platz ist für Feierliches und Formelles, dem primären Glücksraum, sozusagen. Der Narzissmus, der alles was dem Ich nahesteht vorzieht, tendiere außerdem zum Beuteverzicht. Er schwärme für das Immaterielle, ist für Freiheit statt für Glück, Subjekt ist für ihn besser als Objekt zu sein, dass Authentische ist besser als das Kunstvolle, das Selbstgestaltete besser als das Vorgefundene, die Absicht besser als die Ausführung etc.. Das alles sei, so der Autor, ein dichtes Gewebe philosophischer Irrtümer und diese narzisstische methapysische Weltauffassung sei leider schon auf vielen Feldern verbreitet. Desweiteren kennzeichne ihn eine Mittleidsmoral mit dem Schwachen, die nur dazu dienen würde den Schwachen schwach zu halten, gefördert würde eine mitleidige und selbstmitleidige Verlierermentalität. Es bestünde dann die Gefahr des Ressentiments der Gescheiterten auf das Glück was letztlich zu einer stillschweigenden Verfestigung glücksfeindlicher Strukturen führen würde die immer noch mehr Scheitern und Unglück erzeugten.

Jürgen Czogalla

25.04.2011